Buchvorstellung in Potsdam

Noch steht die Fachhochschule am Alten Markt in Potsdam. Da wir nicht wissen, wie lange noch, wollen wir (lieber früher als später) diese besondere Architektur genauer ansehen und darüber sprechen. Schon vor Jahren hat uns die Ästhetik in und um das ehemalige Institut für Lehrerbildung fasziniert. Da es kaum Informationen zur Baugeschichte gab, haben wir selbst ein wenig recherchiert, fotografiert und mit Architekten von damals gesprochen. So wurde die FH Teil des von Buches „Architekturen des Gebrauchs“ .

Die FH ist im Buch nur ein Beispiel von mehreren aus dem Osten und Westen Deutschlands. Wenn wir dieses Buch nun in Potsdam vorstellen, wollen wir die Geschichte der FH auch in diesem Kontext zeigen. Dass eine Umdeutung und Umnutzung politisch vorbelasteter Bausubstanz möglich ist, und warum sich dies lohnen kann, zeigt der Blick auf die ehemalige SED-Parteischule in Erfurt. Warum die Architektur der 1960er und 1970er Jahre auch im ehemaligen Westen Deutschlands auf Ablehnung stößt, können wir an weiteren Beispielen diskutieren. Dazu laden wir herzlich ein!

18.30 Uhr gemeinsamer Rundgang um die FH (Treffpunkt Alter Markt)
19.30 Uhr Buchvorstellung und Diskussion im Rechenzentrum (Kosmos)

Mit dabei sind neben den Herausgebern:
Hiltrud Berndt (Architektin der Grünanlage „Staudenhof“)
André Tomczak (Sprecher der initiative Potsdamer Mitte neu denken)
Christian Klusemann (Herausgeber des Buches „Das andere Potsdam“)

Wir freuen uns auf Potsdam!

Christopher und Dina Dorothea Falbe (die Herausgeber)

 

 

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Einladung zur Buchvorstellung

Zum Erscheinen unseres Buches laden wir euch herzlich ein mit uns zu diskutieren. Die Ästhetik öffentlicher Bauten 1960+ ist vielfach politisch aufgeladen. Wir fragen nach der Rolle des Gebrauchs im Wertungsprozess: Wie entstehen öffentliche Wahrnehmungen von Architektur? Welche kulturelle Bedeutung können bauliche Strukturen über ihre Nutzung erhalten?

Buchvorstellung: Architekturen des Gebrauchs
am 5. September 2015 um 19 Uhr
im Atelier Fanelsa, place/making
Bergfriedstr. 17 10969 Berlin

Im Buch „Architekturen des Gebrauchs – die Moderne beider deutscher Staaten 1960-1979“ geht es u. a. um die Fachhochschule am Alten Markt in Potsdam, das Rathaus Elmshorn und die ehemalige Bezirksparteischule Erfurt. Diese Beispiele sollen an diesem Abend im Fokus stehen. Nach einer kleinen Einführung in das Thema wollen wir mit unseren Gästen sprechen:

Luise Rellensmann, Kulturwissenschaftlerin und (Mit-)Initiatorin des Projektes „Garagenmanifest“

André Tomczak, Kunsthistoriker und Sprecher der Initiative „Potsdamer Mitte neu denken“

Andreas Krüger, Geschäftsführer Belius GmbH (vorm. Modulor Projekt). Raumstrategien für ungewöhnliche Orte und Menschen.

Neben ausgewählten Bildern aus dem Buch wird eine kleine Auseinandersetzung mit der thematisch passenden Umgebung des Veranstaltungsortes ausgestellt (Fotos von Christopher Falbe und Architekturzeichnungen von Niklas Fanelsa). Vor diesem Hintergrund können Getränke, Snacks und Musik genossen werden.

Wir danken unseren Gastgebern Atelier Fanelsa und place / making.

 

Herzliche Einladung!

Christopher und Dina Dorothea Falbe (die Herausgeber)

Das Buch

Unser Buch Architekturen des Gebrauchs erzählt sechs spezifische Geschichten von öffentlichen Gebäuden der 1960er und 1970er Jahre in Ost- und Westdeutschland:

  • Rathaus Elmshorn
  • Alte Parteischule Erfurt
  • Fachhochschule Potsdam
  • Medizinische Hochschule Hannover
  • Hauptbahnhof Ludwigshafen
  • Flughafen Berlin-Schönefeld

Am Anfang stand die Ästhetik. Wir fanden die Raumsituationen in und um unsere Gebäudebeispiele einfach schön. Dann haben wir uns gefragt: Woher kommt diese Faszination für öffentliche Gebäude der 1960er und 1970er Jahre? Wir sind auf Erkundungstour gegangen, haben fotografiert, recherchiert, mit Nutzern, Architekten und unabhängigen Experten gesprochen und möchten unsere Entdeckungen durch dieses Buch mit euch teilen.

Auf eine Phase des bescheidenen Wiederaufbaus in den Fünfziger Jahren folgte eine selbstbewusste Aufbruchstimmug. Verschiedene Gestaltungsansätze der Moderne trafen in der abstrakten Konzeption neuer Architektur aufeinander. Die Bauten wurden nach technischen Funktionsabläufen konzipiert, der reibungslose Ablauf täglichen Gebrauchs war Maxime. Bestimmte moderne Ideale hatten sich etabliert, die Normierung konnte nun endlich in großem Maßstab angewandt werden. Gleichzeitig bot sich für Akteure wie Rudolf Hillebrecht oder Hermann Henselmann die Chance zur Verwirklichung ihrer Ideen. Architektengenerationen fanden in gemeinsamer Zielstellung zusammen: Das Konzept des Wohlfahrtsstaates beziehungsweise des Sozialismus baute auf wirtschaftlichen Fortschritt als Garant für eine hohe Lebensqualität für viele Menschen.

Einerseits schätzen wir die Architektur für ihren abstrakten gesellschaftlichen Anspruch, die industriellen Materialien, die individuellen Details. Gleichzeitig schätzen wir aber auch die vielfältigen Formen der Aneignung, die diese Architekturen erfahren. Was dem Fachmann mitunter kurios erscheinen mag, kann aus Sicht der Nutzer Wertschätzung ausdrücken. Ganz sicher aber erzählt uns die Aneignung von Veränderungen gesellschaftlicher Wahrnehmung, deshalb kann sie Anknüpfungspunkte für Zukunftsvisionen rund um dieses bauliche Erbe bieten.

Die Geschichten unserer Architekturbeispiele bilden Veränderungen der gesellschaftlichen Wahrnehmung dieser öffentlichen Bauten ab, zeigen Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider deutscher Staaten auf und bieten spannende Anknüpfungspunkte für neue gesellschaftliche Vielfalt und gemeinsame Identität. Bewusst interdisziplinär angelegt, bringt das Buch unterschiedliche Positionen zusammen: Fotos, Zeichnungen, Interviews, Erläuterungen und fachliche Texte regen zur persönlichen Auseinandersetzung und zum Dialog an.

Die Geschichte des Projektes

Als wir 2014 anfingen in Architekturen der 1960er und 1970er Jahre umher zu streifen, zu beobachten und zu fotografieren, hatten wir einfach Spaß daran, neues Altes zu entdecken. Michael Kraus vom Verlag M Books hatte Lust mit uns ein Buch über unsere Entdeckungen zu machen und kurze Zeit später saßen wir in Frankfurt auf der Buchmesse und stellten unsere Ideen einem ersten Publikum vor.

Zu dieser Zeit hatten wir noch keine Vorstellung davon, wieviel Arbeit wir in dieses Projekt letztlich investieren würden. 2015 kam unsere Tochter zur Welt, das Studium war plötzlich zu Ende und wir hatten auf einmal gar nicht mehr so viel Zeit entspannte Nachmittage im Archiv zu verbringen. Gleichzeitig wurden die Ansprüche an die eigene Arbeit größer, je mehr wir dazu lernten.

Im Juni 2017 konnten wir unsere Crowdfunding-Kampange auf Startnext erfolgreich abschließen. Das bedeutet nicht nur, dass das Buch „Architekturen des Gebrauchs“ gedruckt und im Weimarer Verlag MBooks publiziert werden kann, sondern auch, dass es großes Interesse an unserer Arbeit gibt. Neben zahlreichen Privatpersonen hat uns die Kulturlobby Potsdam großzügig unterstützt. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz konnten wir als Förderer gewinnen. Darüber freuen wir uns sehr!

Architekten, Denkmalpfleger, Kunsthistoriker und Politikwissenschaftler – unsere Autoren haben jeweils einen eigenen Blick auf unsere sechs Objekte geworfen, uns nicht selten überrascht und herausgefordert, die eigene Recherche zu präzisieren. Gemeinsam mit unsern Grafikern von der Kreativagentur Lauthals haben wir eine ansprechende Gestaltung für das Buch und einiges darum herum entwickelt und freuen uns, das Ergebnis präsentieren zu können. Im September 2017 soll es dann endlich soweit sein. Wir können das gedruckte Buch vorstellen!

Christopher und Dina Dorothea Falbe